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Fortsetzung Diplomarbeit Teil 2 (Forschungsteil)
Fortsetzung Diplomarbeit Teil 3 (Anhang: Glossar, Literatur, Tabellen)

MIDI-Synthese in der kognitiven Musikologie:

eine exemplarische Studie des psychoakustischen Phänomens

der subjektiven Tondauer

Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie eingereicht an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

von

Gerhard Junker

Wien, am 15.3.1995.


Vorwort

Musik wurzelt in einer Erfahrungsdimension des Hörens (REENPÄÄ 1967). Der Übersetzungsprozeß des akustischen Stimulus in einen objektiven Höreindruck wird physiologisch unwillkürlich bewältigt. Die Assimilation des kognitiven Sinneseindrucks innerhalb einer in sich geschlossenen Kultur kann nur durch einen fortwährenden Sozialisationsprozeß gelingen (GRAF 1977: 190), eine interkulturelle Adaption, die in der schnellebigen Gegenwart in konvergenten Annäherungen musikalischer Stilelemente offenkundig wird, ist auch innerhalb geschlossener Gesellschaften ein ständiger Begleiter.

 

In fast allen Bereichen der Musik gibt es durch die Anwendung neuer Technologien mehr oder weniger gravierende Veränderungen. Die kulturellen Ausdrucksformen werden in einer Industrie- und Konsumgesellschaft, wie der unseren, immer stärker von hochentwickelten Methoden und Praktiken geprägt. Der letzte Schritt in dieser dynamischen Entwicklung war die Einbeziehung des Computers in das musikalische Schaffen. Noch nie zuvor gab es eine vergleichbar nachhaltige Veränderung im Kompositionsbereich, in der Klangerzeugung und Instrumentation, in der musikalischen Aufführungspraxis und anderen Teildisziplinen des Musikalltages. Nach eher wenigen experimentellen, meist elitären musikalischen Computeranwendungen der 50er- bis 70er-Jahre, kam es in den letzten zehn Jahren zu einer uferlos scheinenden Flut im Bereich der computerisierten, elektronischen und elektroakustischen Musik: mit der Präsentation des Musical Instrument Digital Interface (MIDI) setzte eine Entwicklung des "kleinbürgerlichen Pragmatismus" in der Computermusik ein. Auf einmal gab es die Möglichkeit, mit relativ geringem Finanzaufwand computerisiert Klänge zu generieren, Kompositionen nach verschiedensten Algorithmen zu erstellen, Partituren zu schreiben, interaktiv Gehörbildung zu betreiben und vielen anderen musikalischen Anwendungen am Computer nachzugehen.

Die junge Disziplin der musikalischen Informatik hat nicht zuletzt wegen der Wechselwirkung von Technik und Musik Eigengesetzlichkeiten bezüglich einer neuen Musikästhetik hervorgebracht, die künstlerische Abgrenzung sowie die wissenschaftliche Erfassung derselben stehen aber erst am Beginn. Anschauliche Publikationen und Studien bezüglich Computeranwendungen in der Musik gibt es vorrangig zu Themen über den Computereinsatz in Wissenschaft, Komposition, Ästhetik und Pädagogik (z.B.: APPLETON, 1989; COGAN, 1981; HARENBERG, 1989; HEWLETT/ SELFIDGE-FIELD, 1990; SCHAFFRATH, 1991 u.a.) , sowie zu Fragen der Technologie. Letztgenannte sind in Großauflagen - vor allem in Belangen der MIDI-Technologie - erschienen. Dabei handelt es sich i.A. um Abhandlungen bezüglich Hard- und Software in MIDI-Konfigurationen, Klangsynthesen und digitaler Signalverarbeitung.

Die polydisziplinäre Struktur der Musikwissenschaft, Aspekte der psychoakustischen Schallforschung und kognitiven Musikwahrnehmung und anderes sind die Beweggründe, mich innerhalb des großen Rahmens der Computermusik mit der MIDI-Synthese - nach nämlichen Gesichtspunkten - näher auseinanderzusetzen. Angeregt durch Zielsetzungen und Abgrenzungen Philipp ACKERMANN’s (1991: 2) habe ich in der untenstehenden Graphik versucht, die MIDI-Synthese, ihre Anwendungsmöglichkeiten, sowie ihr Umfeld in kooperierende wissenschaftliche Disziplinen und Teildisziplinen umfassend einzuordnen.

Die Graphik soll das weitreichende, beachtenswerte Feld der potentiellen Anwendungen und Forschungsbereiche des Musical Instrument Digital Interface aufzeigen und den interdisziplinären Aspekt der Thematik verdeutlichen. Zugleich wird daraus ersichtlich, wie schwer eine valide, graphische Zuordnung einzelner Themenschwerpunkte zur Computermusik zweidimensional vorgenommen werden kann, so sehr sind doch oft spezielle Materien von den verschiedenen Betrachtungsweisen der Einzeldisziplinen abhängig.

Abbildung 0/1: "MIDI": eine polydisziplinäre Form der Computermusiksynthese.

 

Diese Arbeit kann selbstredend nicht alle Perspektiven der Computermusik (bzw. der MIDI-Synthese im speziellen) diskutieren. Jedoch sollen nicht MIDI-erfahrenen Lesern einige grundlegende Einzelheiten zum Bereich "MIDI" als nötiges Basiswissen vorgestellt werden, einschlägig Eingeweihte können dieses Kompendium ohneweiters überspringen, bei Bedarf steht im Anhang ein Glossar mit zahlreichen Fachtermini zur Verfügung. Neben einer kurzen historischen Einleitung und einem Abriß über die Entstehung von "MIDI", sind die ersten Kapitel - aus zuvor besprochenem Grunde - als eine theoretische Einführung in die MIDI-Hard- und Software, in die üblichen Klangsyntheseverfahren und weitere die MIDI-Synthese betreffende Teilbereiche gegliedert. Nicht zuletzt als eine Folgerung daraus sollen im Hauptteil dieser Arbeit bestehende Mängel dieses Instrumentariums aufgezeigt und diskutiert werden. Der Schwerpunkt dabei liegt primär in einer (nach psychoakustischen Kriterien angelegten) empirischen Untersuchung möglicher mangelhaft standardisierter Implementierungen in bestehende Softwarestrukturen, nämlich in einer kritischen Betrachtung der musikalischen Behandlung empfundener und tatsächlich klingender Tondauern. MIDI fungiert dabei sowohl als Synthese- als auch als Aufzeichnungsinstrumentarium. Zuvor noch soll eine beschreibende Ausführung metrischer Strukturen und Quantisierungsmuster eines softwaregesteuerten MIDI-Sequenzers die Möglichkeiten dieses Instrumentariums vorstellen. Letztlich stellt sich die Frage nach der Einsatzmöglichkeit von "MIDI" in musikwissenschaftlichen Forschungsfragen - wie den zuvor beschriebenen - als integriertes Synthese- und Analysesystem.

Abschließend ist es mir ein Bedürfnis, dem Kollegium des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien und der Forschungsstelle für Schall-forschung der österreichischen Akademie der Wissenschaften meinen Dank für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung vor und während der Entstehung dieser Diplomarbeit auszusprechen. Mein besonderer Verbundenheit möchte ich jenen Personen aussprechen, die mit Rat und Tat sowie Anerkennung und Tadel am Gedeihen dieses Forschungsbeitrages beteiligt waren: Prof. Dr. Franz Födermayr, Dr. Emil H. Lubej, Dr. Werner A. Deutsch und vielen anderen kritisch-konstruktiven Beobachtern meiner Tätigkeit während der letzten Monate. Ebenso sei den Versuchspersonen der exemplarisch-empirischen Studie gedankt, die ihr musikalisches Vermögen ohne zu zögern in die Studie einbrachten.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I

Inhaltsverzeichnis

V

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

IX

Abkürzungs- und Indexverzeichnis

XI

   

Erstes Kapitel: Die Entwicklung der MIDI-Synthese: Vom Telharmonium bis zu modernen MIDI-Systemen

1.

Die Entwicklung der MIDI Synthese

1

1.1.

Ein historischer Abriß elektroakustischer Musik vor dem MIDI- Zeitalter

2

1.2.

Die Anfänge der MIDI Synthese

7

 

Zweites Kapitel: Der MIDI-Standard: Hardware- und Software-Merkmale von MIDI

2.

Der MIDI-Standard

10

2.1.

Das MIDI-Interface

11

2.1.1.

Hardware-Merkmale von MIDI

11

2.1.2.

Software-Merkmale von MIDI

14

2.2.

MIDI-Message Spezifikation

18

2.2.1.

MIDI-Nachrichten: Globalübersicht

18

2.2.2.

MIDI-Nachrichten: Befehle, Typen, Werte und Bedeutungen

20

 

Drittes Kapitel: MIDI-Instrumente

3.

MIDI-Instrumente

23

3.1.

Der Controller

25

3.2.

Tongeneratoren und Klangerzeuger

29

3.2.1.

Additive Synthese

30

3.2.2.

Subtraktive Synthese

31

3.2.3.

Frequenzmodulation-Synthese (FM-Synthese)

31

3.2.4.

Amplitudenmodulation-Synthese (AM-Synthese)

31

3.2.5.

Phase-Distortion-Synthese (PD-Synthese)

32

3.2.6.

Linear Arithmetische Synthese (LA-Synthese)

32

3.2.7.

Wavetable-Synthese

32

3.2.8.

Vektor-Synthese (VS)

33

3.2.9.

Sample-Synthese (Sampling)

33

3.2.10.

Granular-Synthese

33

3.2.11.

Karplus-Strong-Synthese

34

3.2.12.

Resynthese

34

3.2.13.

Time Slice-Verfahren

34

3.2.14.

Software-Synthesesysteme

35

 

Viertes Kapitel: Die Aufnahme mit MIDI

4.

Die Aufnahme mit MIDI

36

4.1.

Der MIDI-Sequenzer

38

4.1.1.

Die Funktionsweise eines Software-Sequenzers

40

4.1.2.

Die Sequenzerspuren

41

4.1.3.

Physikalisch-rhythmische Auflösung des Tempos

44

4.2.

Die Editoren

46

4.2.1.

Der Event-Editor (Grid-Editor)

46

4.2.2.

Der Matrix-Editor (Key-Editor)

47

4.2.3.

Der Noteneditor (Score-Editor)

48

4.2.4.

Der Schlagzeugeditor (Drum-Editor, Percussion-Editor)

50

4.2.5.

Der Controller-Editor

51

4.2.6.

Der logische Editor

52

     

Fünftes Kapitel: Metrische Strukturen im MIDI-Sequenzer

5.

Metrische Strukturen im MIDI-Sequenzer

55

5.1

Rhythmus und Metrum: Allgemeines

56

5.2.

Neurobiologische Aspekte in der Rhythmusforschung

59

5.3.

Quantisierungen im MIDI-Sequenzer

61

5.3.1.

Arten und Methoden der Quantisierung

62

5.3.1.1.

Standardquantisierungen

62

5.3.1.2.

Stufenweises bzw. näherungsweises Quantisieren

64

5.3.1.3.

Intelligentes Quantisieren

66

5.3.1.4.

Quantisierung nach Modellen

67

5.3.1.5.

Sonstige Methoden der rhythmischen Beeinflussung

70

     

Sechstes Kapitel: Psychoakustische Grundlagen der kognitiven Musikologie

6.

Psychoakustische Grundlagen der kognitiven Musikologie

71

6.1.

Allgemeine Einführung

72

6.2.

Psychoakustische Grundlagen

72

6.2.1.

Die subjektive Tondauer akustischer Stimuli

73

6.2.2.

Praktische Umsetzung dynamischer Hörempfindungen

79

6.3.

Tondauer im MIDI-Sequenzer

80

6.4.

MIDI-Sequenzermodell der subjektiven Tondauer

81

6.4.1.

Die Problematik der Tondauer in MIDI-Sequenzern

83

6.4.1.1.

Grenzen der technischen Realisierbarkeit

83

6.4.1.2.

Der Einfluß der Klangerzeugung

84

 

   

Siebentes Kapitel: Experiment: Vorstudie und Hauptversuch

 

7.

Experiment

87

7.1.

Vorstudie: Naturaufnahme versus MIDI-synthetisierte Aufnahme

88

7.1.1..

Beschreibung des Versuchs

89

7.1.1.1.

Beispiel 1: Klavier

90

7.1.1.2.

Beispiel 2: Idiophone

93

7.1.2.

Versuchsergebnisse

94

7.1.3.

Interpretation und Kritik am Ergebnis

95

7.2.

Hauptversuch: Variation synthetischer Klänge

99

7.2.1

Versuchsablauf

101

7.2.2.

Der Einfluß der Hüllkurven auf die Klangwiedergabe

105

7.2.3.

Statistische Auswertung des Hauptversuchs

111

7.2.4.

Clusteranalyse

121

7.2.4.1.

Cluster 1

122

7.2.4.2.

Cluster 2

124

7.2.5.

Instrumentenvergleich

132

7.2.6.

Velocityvergleich

133

7.2.7.

Gegenüberstellung: Notenlänge - Velocity

137

     

Achtes Kapitel: Zusammenfassung

8.

Zusammenfassung

141

8.1.

Zusammenschau des Experiments

142

8.2.

Quantisierungsmodell nach Hüllkurven- und Artikulations-kriterien

144

     

Anhang: Literaturverzeichnis, Glossar, Tabellen, Notenbeispiele

1.

Unabhängige Bibliographie

148

2.

Publikationen in Periodika

157

2.1.

The Journal of the Acoustic Society of America (JASA)

157

2.2.

Computer Music Journal

159

2.3.

Music Perception

159

2.4.

Acustica

159

2.5.

Keys

160

2.6.

Keyboards

160

 

Glossar

161

 

Tabellen 1 bis 16

187

 

Notenbeispiele

203

 

Curriculum Vitae

205

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen:

Kap./

Abb.

 

Seite

     

0/1

MIDI: eine polydisziplinäre Form der Computermusiksynthese

III

2/1

MIDI-Anschluß

12

2/2

Das MIDI-Interface mit einem seriell/parallel Interface (UART)

14

2/3

MIDI-Bytes

16

2/4

MIDI-Event

17

2/5

Übersicht der MIDI-Message Typen

18

2/6

MIDI-Nachrichten: Befehle, Typen, Werte und Bedeutungen

20

3/1

MIDI-Synthese als zentrales Steuerungsorgan

30

4/1

Übersicht gängiger Softwaresequenzer

39

4/2

Programmoberfläche des Sequenzers "Cubase Score"

43

4/3

Programmoberfläche des Sequenzers "Cakewalk Professional"

44

4/4

Event-Editor des Sequenzers "Master Tracks Pro"

46

4/5

Der Matrix-Editor des Sequenzers "Cakewalk Professional"

47

4/6

Der Noteneditor des Programms "Encore"

49

4/7

Drum-Editor in "Cubase Score"

50

4/8

Der Logical Editor des Sequenzer "Cubase Score"

53

5/1

Bereich minimaler Tonkennzeiten verschiedenfrequenter Klänge

60

5/2

Quantisieren im Event-Editor

63

5/3

Beispiel für ein "Groove-Template" des Sequenzers "Cubase"

68

5/4

Schlagzeugeditor mit angewandten Quantisierungsmodellen

69

6/1

Mithörschwellen-Zeitmuster einer Impulsfolge

74

6/2

Modell der subjektiven Tondauer

75

6/3

Verdopplung der Dauer von Tonimpulsen

76

6/4

Musikalische Implikation subjektiver Tondauer

79

6/5

Listeneditor im Sequenzer "Cubase"

81

6/6

Modell subjektiver Tondauern in MIDI-Sequenzern

82

6/7

ADSR-Hüllkurve eines Klangerzeugers

86

7/1

MIDI-Aufnahme versus akustisches Instrument

88

7/2

Interpretationsvergleich Mozart KV 281/3: Audio- versus MIDI-Aufnahme

96

7/3

Interpretationsvergleich Mozart KV 281/3: MIDI-Einspielungen

96

7/4

Interpretationsvergleich Liszt h-moll Sonate: Audio- versus MIDI-Einspielung

97

7/5

Interpretationsvergleich Liszt h-moll Sonate: MIDI-Einspielungen

97

7/6

Variation der Hüllkurve eines Klanges zur empirischen Überprüfung von musikalischer Tondauer

100

7/7

Versuchsaufbau der exemplarisch-empirischen Studie

102

7/8

Intensitätsverlauf eines Klaviertons und eines natürlichen Orgeltons der Tonhöhe a=220 Hz

103

7/9

Intensitätsverlauf der Einschwingphasen eines Klavier- und eines natürlichen Orgeltons

104

7/10

Absolute Orgeltondauer der 1/16 Note f 1, Tempo 120

106

7/11

Absolute Orgeltondauer der 1/16 Note f 2, Tempo 120

107

7/12

Absolute Klaviertondauer der 1/16 Note f 1, Tempo 120

108

7/13

Absolute Klaviertondauer der 1/16 Note f 2, Tempo 120

109

7/14

Exemplarisches Notenlängenprofil für die Person 1, HK 1 (legato)

112

7/15

Statistische Auswertung der Versuchsperson 1

114

7/16

Tabellarisches Gesamtergebnis der statistischen Auswertung für zehn Versuchspersonen

115

7/17

Notenlängenprofil: Orgel nicht anschlagdynamisch, HK 1,2,3 (leg.)

117

7/18

Notenlängenprofil: Orgel nicht anschlagdynamisch, Xam, Min/Max

118

7/19

Notenlängenprofil: Orgel anschlagdynamisch, HK 1,2,3 (portato)

119

7/20

Notenlängenprofil: Klavier versus Orgel, HK3 (staccato)

120

7/21

Notenlängenprofil Cluster 1: Orgel nicht anschlagdynamisch (port.)

122

7/22

Statistische Auswertung: Cluster 1

123

7/23

Statistische Auswertung: Cluster 2

125

7/24

Notenlängenprofil Cluster 2: Orgel nicht anschlagdynamisch (leg.)

126

7/25

Notenlängenprofil Cluster 1: Orgel anschlagdynamisch (portato)

127

7/26

Notenlängenprofil Cluster 2: Orgel anschlagdynamisch (portato)

127

7/27

Notenlängenprofil Cluster 2: Orgel nicht anschlagdynamisch (port.)

129

7/28

Notenlängenprofil Cluster 2: Orgel anschlagdynamisch (portato)

129

7/29

Notenlängenprofil Cluster 2: Klavier anschlagdynamisch (portato)

130

7/30

Notenlängenprofil Cluster 2: Klavier anschlagdynamisch (staccato)

131

7/31

Notenlängenprofil Cluster 1: Instrumentenvergleich (portato)

132

7/32

Notenlängenprofil Cluster 2: Instrumentenvergleich (portato)

133

7/33

Velocityprofil der Artikulationen legato, portato und staccato

134

7/34

Velocityprofil: Orgel nicht anschlagdynamisch; Cluster 1 (staccato)

135

7/35

Velocityprofil der Hüllkurven 1,2,3; Cluster 1 (portato)

135

7/36

Velocityprofilvergleich: Orgel anschlagdynamisch versus nicht anschlagdynamisch, HK 1 (legato)

136

7/37

Gegenüberstellung: Notenlänge - Velocity, HK 1,2,3(legato)

137

7/38

Gegenüberstellung: Notenlänge - Velocity, HK 1 (portato)

138

7/39

Gegenüberstellung: Notenlänge - Velocity, HK 1(staccato)

139

7/40

Gegenüberstellung: Notenlänge - Velocity, HK 2; Xam, Min/Max, S

140

8/1

Sequenzermodell anhand der Erkenntnisse der empirischen Studie für die Artikulationsart portato

145

     

Anhang:

     

Tab. 1

Beispiel für eine MIDI-Implementierungstabelle

187

Tab. 2

Umwandlungstabelle: Dezimal, Hexadezimal, Binär

188

Tab. 3

General MIDI - Standard

189

Tab. 4

Auswertung der MIDI-Aufnahme: F. Liszt, h-moll Sonate

190

Tab. 5

Auswertung der MIDI-Aufnahme: Mozart Klaviersonate KV 281/I

191

Tab. 6

Auswertung der MIDI-Aufnahme: Mozart Klaviersonate KV 281/III

192

Tb. 7-16

Statistische Auswertung Person 1-10

193

Nbsp. 1

J. S. Bach: Invention in F-Dur, 4 Takte

203

Nbsp. 2

Franz Liszt: Sonate an Robert Schumann; h-moll, 11 Takte

203

Nbsp. 3

W. A. Mozart: Klaviersonate KV 281/3, 8 Takte

204

Nbsp. 4

W. A. Mozart: Klaviersonate KV 281/1, 3 Takte

204

Abkürzungen

Abb. Abbildung

ANSI American National Standards Institute, Inc

ca. zirka

CCRMA Center for Computer Research in Music and Acoustic (Stanford University)

CMJ Computer Music Journal

DB Dezibel

ders. derselbe

dez. dezimal

d.h. das heißt

div. diverse

engl. englisch

et al. et altera, und andere

etc. et cetera, usw.

evtl. Eventuell

Fi absolute Häufigkeit

hex. Hexadezimal

Hg. Herausgeber

HK Hüllkurve

i.a. im allgemeinen

JASA The Journal of the Acoustic Society of America

Kap. Kapitel

Max Maximale Notenlänge

MIDI Musical Instrument Digital Interface

Min Minimale Notenlänge

ms Millisekunden

n Stichprobe, Laufvariable

o. oder

ppq pulses per quaternote

qpm quaternotes per minute

S Standardabweichung

t Zeit, Zeitachse

Ti objektive Dauer eines Schallimpulses

Ts subjektive Dauer eines Schallimpulses

T’ Periodendauer bzw. Zeitintervalle von Schallimpulsen

u. und

u.a. unter anderen(m)

u.ä. und ähnliche(s)

usw. und so weiter

u.v.a. und viele andere

vergl. vergleiche

Vol. Volume

Xam Arithmetisches Mittel

Xme Median

z.B. zum Beispiel

 


 

 

Erstes Kapitel

Die Entwicklung der MIDI-Synthese

Vom Telharmonium zu modernen MIDI-Systemen

 

1. Die Entwicklung der MIDI-Synthese

1.1. Ein historischer Abriß elektroakustischer Musik vor dem MIDI-Zeitalter

Seit jeher galt die Suche nach neuartigen Musikinstrumenten und musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten als ein wichtiger Bestandteil des Musizierens. Naturgemäß war eine derartige Entwicklung mit gesellschaftlichen Anforderungen eng verbunden. Durch den Einsatz verschiedenster Materialien oder durch Veränderung der Spieltechnik versuchte man in der "präelektrifizierten" Musikwelt Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe zu manipulieren bzw. zu modifizieren. Dies führte auch zu entsprechenden Ergebnissen, meistens aber relativ unspektakulär. Die eigentliche Innovationsflut setzte erst mit den ersten elektrischen Musikinstrumenten (Elektrophone) und der synthetischen Klangerzeugung ein.

Hierzu eine chronologische, komprimierte Aufstellung zum besseren Verständnis des Status Quo:

1760 Jean-Baptiste Laborde erfindet ein Cembalo, das auf der elektrischen Beeinflussung eines Glockenspiels beruht (NOLL, 1994: 118).

1887 George F. Diekmann läßt sich das erste E-Piano patentieren (NOLL, 1994: 118).

1896: Das Telharmonium bzw. Dynamophon wird von Thaddeus Cahill (1867-1934) erfunden. Die Tonerzeugung erfolgt durch Generatoren, die von Elektromotoren angetrieben werden. Über spezielle Mischtransformatoren können harmonische Obertöne im Sinne der Additiven Synthese dazugemischt werden, um die Klangfarbe zu ändern (DOBSON, 1992: 186). Die ganze Konstruktion wiegt rund 200 Tonnen! Kompositionen für das Telharmonium: u.a. von Edgard Varèse: "Equatorial, 1934".

1906: Lee De Forest entwickelt die Elektronenröhre, die als Spannungsgenerator, Modulator und Verstärker verwendet werden kann.

1920: Als erstes Elektrophon von praktischem Musizierwert wird das Aetherophon (auch Theremingerät oder Thereminovox genannt) vom russischen Physiker Lev Sergeyevich Termenin (später: Leon Theremin) konstruiert. Kompositionen u.a. von: Bohuslav Martinu, Miklós Rósza, Edgar Varèse.

1921: Elektromagnetische Tonabnehmer werden erstmals bei Stahlsaiten-instrumenten in der Folk-, Country- und Western Musik verwendet.

1924: Das "Rumorarmonio" (oder "Russolophon"), eine Art Lärmtöner wird von Russolo gebaut (HARENBERG, 1989: 32).

1928: Das in der Klangfarbe variable, einstimmige elektronische Tasteninstrument Ondes Martenot (auch Ondes Musicales genannt) wird in Paris von Maurice Martenot (1898-1980) präsentiert. Ähnlich wie schon das Aetherophon funktioniert dieses Instrument nach dem Differenztonprinzip. Kompositionen für das Ondes Martenot: A. Honegger, O. Messiaen, D. Milhaud, E. Varèse, u.a. (DOBSON, 1992:113).

1930: Das Trautonium von Friedrich Trautwein wird an der Berliner Musikhochschule erstmals der Öffentlichkeit vorgeführt. Später wird sein Trautonium von Oskar Sala zum Mixturtrautonium (1952) weiterentwickelt. Über 300 Film-Soundtracks hat Oskar Sala mit seinem Instrument maßgeblich gestaltet. Kompositionen für das Trautonium: Paul. Hindemith, R. Strauss, Harald Genzmer, P. Höffer, Carl Orff u.a.

1935: Die Hammondorgel, eine konsequente Weiterentwicklung des Telharmoniums, wird von Laurens Hammond gebaut.

1946 Der Kanadier Hugh Le Caine konstruiert den Synthesizer Sackbut, benannt nach einem mittelalterlichen Posauneninstrument (NOLL, 1994: 123).

1948: Das Electronium, eine monophone, elektronische Orgel, wird von René Seybold konstruiert. Kompositionen u.a. von K. Stockhausen (DOBSON, 1992: 65).

1949: Der Begriff "Elektronische Musik" (bzw. "authentische Musik") wird von W. Meyer-Eppler verwendet und einem gewissen Repertoire zugewiesen (HARENBERG, 1989: 21).

Pierre Schaeffer praktiziert in Paris die von ihm benannte "Musique concrète": In dieser Musik wird nicht nur elektronisch erzeugtes Klangmaterial verwendet, sondern man bedient sich ebenso natürlicher Instrumente, Geräusche, etc.

1952: Das erste Studio für elektronische Musik wird im Funkhaus des NWDR (heute WDR) in Köln unter der Leitung von Karlheinz Stockhausen eingerichtet.

1954: Robert A. Moog gründet eine Firma zur Herstellung elektronischer Musikinstrumente. Den kommerziellen Durchbruch seiner Grundideen zur Klangsynthese (mittels analoger Spannungssteuerung) schafft er ab 1970, als er den Minimoog auf den Markt bringt.

1955: Der durch einen binären Lochstreifencode gesteuerte erste Synthesizer "RCA Mark I Synthesizer" wird von Harry F. Olson und Herbert Belar gebaut.

1956: L.A. Hiller und L.M. Isaacson versuchen an der University of Illinois, USA, mit Hilfe eines Computers zu komponieren. Konkrete Ergebnisse erzielen sie auf der Großrechenanlage ILLIAC.

1962: Das Mellotron, ein elektromechanisches Keyboard für die Wiedergabe von zuvor aufgenommenen Klängen, wird in Birmingham erfunden und ab 1964 von der Firma Mellotron Manufacturing vermarktet (DOBSON, 1992: 101).

1965: James Gabura und Gustav Cimaga experimentieren an der Universität von Toronto mit sogenannten Hybrid-Systemen. Dabei werden bestimmte Regelfunktionen in analogen Audiostudios von Computern übernommen (HARENBERG, 1989: 53-60).

1970: Der ARP-Synthesizer ersetzt die bis dahin üblichen zeitraubenden Steckverbindungen durch Kreuzschienenfelder.

1974: Dave Smith, der Gründer von Sequential Circuits, entwickelt ein digitales Interface, das zwischen Tastatur (Prophet 10) und einem Sequenzer vermittelt.

Die erste wissenschaftliche Konferenz zum Thema Computermusik findet an der Michigan State University statt.

1975: Der Polymoog von Oberheim, ein mehrstimmiger Synthesizer, der durch dividieren einer hohen Frequenz die zwölf Töne der chromatischen Skala für jede Oktave erzeugt, wird präsentiert.

1978: Der fünfstimmige Synthesizer Prophet 5 wird von der amerikanischen Firma Sequential Circuits veröffentlicht.

1979: New England Digital (NED) bringt das erste kommerzielle Synclavier auf den Markt. Dieses digitale Synthesizer- und Audioproduktionssystem basiert in seiner ersten Ausführung auf Additiver- und FM-Synthese.

1982 Anläßlich der NAMM-Show wird der Prototyp des MIDI-Interfaces von Sequential Circuits und Roland vorgestellt.

1983: Der erste MIDI-Synthesizer, der Prophet 600 kommt auf den Markt. Kurz darauf folgen der Roland JX-3P und der Yamaha DX7.

1.2. Die Anfänge der MIDI-Synthese

Schon lange vor der Etablierung des Musical Instrument Digital Interface (MIDI) war man in der Lage, Synthesizer untereinander und/oder Computer miteinander kommunizieren zu lassen. Der oft dünne, einstimmige Klang eines elektronischen Instrumentes konnte auf diese Art und Weise aufgewertet werden. Die beiden zusammengeschalteten Geräte arbeiteten ursprünglich zwar weiterhin nur monophon, der Klang jedoch konnte vielfältig variiert werden. Die gebräuchlichste Art, zwei analoge Synthesizer miteinander zu verbinden, war die sogenannte Gate/CV-Methode (PENFOLD, 1991: 8-18) . Weitere konkurrierende Verfahren waren das Okt/Volt-Prinzip (z.B. Moog und Roland) und das Hz/Volt-System (z.B. Korg) (GEORGES/ MERCK, 1993: 168). Die ersten Interfaces im Musikbereich transportierten ihre Befehlssignale in Form von elektrischen Spannungen. Im wesentlichen handelte es sich um Informationen über Tonhöhe (CV =Control Voltage), Dauer (Gate), und Synchronisation (Clock). Die einzelnen Hersteller versuchten - ohne sich mit der Konkurrenz abzusprechen - vergeblich, ihre eigenen Normen durchzusetzen. Synthesizer ein und desselben Systems ließen sich im allgemeinen untereinander koppeln und von einer Tastatur aus spielen. Wollte man eine Hardwareerweiterung, so mußte man sich auf das bereits bestehende System oder gar dieselbe Marke beschränken.

Bald nach den bereits erwähnten Verfahren (Gate/CV- Okt/Volt- und Hz/Volt-Methode) kamen die digital gesteuerten Analogsynthesizer (Roland, Sequential Circuits, Oberheim). Die sogenannte Master-Slave-Steuerung, die im Computerbereich zu dieser Zeit längst üblich war, wurde damit bei Musikinstrumenten erstmals auf digitalem Weg realisiert. Da die Mikroprozessoren herstellerspezifisch ihre eigene Sprache sowie unterschiedliche Datenformate verwendeten, konnte wiederum keine Standardisierung bzw. Normierung erreicht werden.

Nicht zuletzt aus marktstrategischen Gründen erfolgte Anfang der 80er Jahre eine Annäherung von verschiedenen Herstellern elektronischer Musikinstrumente. Es wurde angestrebt, eine standardisierte Schnittstelle mit Übersetzungsfunktion zu schaffen, welche in jedes elektronische Musikinstrument eingebaut werden konnte und eine Koppelung zwischen diesen erlaubte. Erstmals wurde dieses konkrete Projekt bei einem Kongreß der Audio Engineering Society (AES) im November 1981 in New York vorgestellt. Dave Smith (Sequential Circuits) hatte zusammen mit Chet Wood (Sequential Circuits), Tom Oberheim (Oberheim) und Ikutaroo Kakehashi (Roland) ein Interface initiiert und entwickelt, das den Namen USI (Universal Synthesizer Interface) trug. Es transportierte elektrische Signale des TTL-Typs (0/5 Volt) und arbeitete mit einer Geschwindigkeit von 19.200 Bauds (Bits/Sekunde), was der höchsten Übertragungsrate einer RS-232C Schnittstelle entspricht. Nach erfolgter Einigung dieser drei Herstellerfirmen wurden auch konkurrenzierende Firmen in die Diskussion einbezogen, um einerseits deren Rat bzw. Vorschläge einzuholen und andererseits eine größtmögliche Breitenwirkung in der Standardisierung zu erreichen.

Die Zusammenkunft anläßlich der NAMM (National Association of Music Merchants) im Jänner 1982 brachte dann die gewünschte Einigung: Roland und Sequential Circuits stellten - trotz einiger Anlaufschwierigkeiten - Prototypen des MIDI-Interfaces vor. Eingebaut waren diese in zwei neue analoge Synthesizermodelle: den Prophet 600 und den Jupiter 6. Erstmals konnten zwei digitale Synthesizer unterschiedlichen Fabrikats miteinander kommunizieren. Noch im selben Jahr wurde das erste internationale MIDI-Dokument zwischen Sequential Circuits (USA) und Roland (Japan) erarbeitet. Der MIDI-Standard wurde durch die MIDI-Spezifikation 1.0 festgelegt (IMA, 1985), die Schnittstelle technisch durch einen Optokoppler gegenüber dem ursprünglich verwendeten USI-Prinzip aufgewertet und die Übertragungsgeschwindigkeit auf 31.250 Baud erhöht.

Um eine Institutionalisierung des MIDI-Standards zu gewährleisten, wurde im Jahr 1983 eine Koordinationsvereinigung gegründet: die IMA (International MIDI Association). Seitens der Hersteller wurden ebenfalls zwei Vereinigungen gegründet: das "JMSC" (Japanese MIDI Standard Committee) und 1985 die "MMA" (MIDI Manufactures Association). MIDI stellt keine Norm, sondern lediglich eine Spezifikation dar; es ist daher nicht möglich, gewisse Abweichungen des MIDI-Standards zu verbieten bzw. auszuschließen. Es liegt allerdings im Interesse der Hersteller, ihre Geräte voll MIDI-kompatibel zu produzieren, da nicht zuletzt davon der Verkaufserfolg ihrer Instrumente und Geräte abhängig ist. Trotzdem gab und gibt es in seltenen Fällen kleinere Abweichungen, die allerdings keine oder nur unwesentliche Nachteile für den Anwender darstellen.

Die ersten Hersteller, die sich der MIDI-Spezifikation 1.0 anschlossen und als Gründungsmitglieder der IMA gelten sind nach BRAUT (1993:35):

· Big Briar

· Bontempi

· Kawai

· Korg

· Lexicon

· Moog

· Octave Plateau

· Passport Design

· Roland

· Sequential Circuits

· Siel

· Yamaha

1983 wurden die ersten elektronischen MIDI-Geräte und MIDI-Synthesizer zum öffentlichen Vertrieb angeboten.

 


 

Zweites Kapitel

Der MIDI-Standard

Hard- und Software-Merkmale von MIDI

2. Der MIDI-Standard

Die MIDI-Spezifikation wird von der MIDI-Manufacturers-Association (MMA) herausgegeben und legt die technischen Daten und den Befehlssatz für MIDI fest. Fundamental soll an dieser Stelle vorweggenommen werden, daß MIDI lediglich eine Hard- und Softwarestruktur darstellt, also an der eigentlichen Klangerzeugung nur sekundär als Steuerelement beteiligt ist. Ursprünglich wurde die MIDI-Normierung hauptsächlich vorgenommen, um die Kommunikation zwischen Tastatur und Tonerzeugern (verschiedener Hersteller) zu gewährleisten. Die rasche Entwicklung von modernen, elektronischen Musikinstrumenten und Studiogeräten erforderte jedoch eine kontinuierliche, den Bedürfnissen entsprechende Erweiterung des MIDI-Standards (z.B. Sample-Dump-Standard 1986, MIDI Time Code 1987, Standard MIDI-Files 1988, etc.). Das äußere Erscheinungsbild der MIDI-Hardware-Technik sowie grundlegende Datenformate und Befehlsstrukturen sind seit ihrer vereinheitlichten Einführung 1982 allerdings praktisch unverändert geblieben:

2.1. Das MIDI-Interface

Im allgemeinen wird eine Schnittstelle sowohl durch Hardware-Merkmale ("das Transportmittel", sowie unverzichtbare Bauelemente), als auch durch Software-Merkmale (die Sprache, das Datenformat, die Befehlsstruktur) definiert:

2.1.1. Hardware-Merkmale von MIDI

Um Informationen und Daten zwischen verschiedenen Geräten und Systemen (Tastaturen, Tongeneratoren, Sampler, Computer, etc.) austauschen zu können, müssen diese über ihre MIDI-Schnittstellen verbunden werden. Als Anschlüsse werden meist fünfpolige DIN-Buchsen verwendet, allerdings sind nur drei Leitungen tatsächlich notwendig (siehe Abbildung 2/1). Das MIDI-Interface arbeitet digital, d.h. es verarbeitet Informationen nicht in Form von analogen Spannungen, sondern kodiert alles in binärer Form (Bytes). Die Datenübertragung dieser seriellen asynchronen Schnittstelle erfolgt gerichtet ("duplex": eine Datenleitung pro Richtung) mit einer Geschwindigkeit von 31.250 Baud (=Bits/Sekunde). Die Toleranz beträgt dabei +/-1%. Das Konzept dieser seriellen Übertragung von Impulsen bedeutet, daß ein Bit nach dem anderen über ein einziges Kabel läuft, d.h. pro Takteinheit wird ein Bit über eine Leitung übertragen. Bei 31.250 Bauds (entspricht 1 MHz dividiert durch 32) sind ca. 316 Mikrosekunden notwendig, um ein nutzbares MIDI-Byte (8+2 Bits) zu transferieren. Innerhalb einer Sekunde kann eine MIDI-Schnittstelle mehr als 3000 solcher Bytes verarbeiten. Die Übertragungsrate begrenzt die Anzahl an Informationen, die innerhalb von einer Sekunde übermittelt werden können.

Abbildung 2/1: MIDI-Anschluß

Die Signale werden mit Hilfe einer 5 mA Stromschleife (am DIN-Stecker: Anschluß 4 und 5) zwischen den MIDI-Anschlüssen transferiert. Eine logische Spannung von +5 Volt wird durch ein Bit "0" repräsentiert, eine logische Spannung von 0 Volt stellt ein Bit "1" dar. Um Masseschleifen und elektrische Störgeräusche zu vermeiden, ist jeder MIDI-Eingang mit einer optoelektrischen Isolation (Optokoppler) ausgestattet, d.h. es existieren keine direkten elektrischen Verbindungen. Durch diese galvanische Trennung werden Erdungs- bzw. Brummschleifen ausgeschlossen, auch Potentialunterschiede zwischen zwei Geräten, die empfindliche elektronische Bauteile zerstören könnten, sind nicht möglich. Das Prinzip dieser optoelektrischen Isolation besteht darin, eine LED-Anzeige (Elektroluminiszenzdiode) über eine elektrische Schleife zu versorgen. Je nach Spannung (0 bzw. +5 Volt) beleuchtet die LED einen photoelektrischen Transistor. Neben diesem Optokoppler besteht das MIDI-Interface aus einem UART (Universal-Asynchronous-Receiver/Transmitter) und einigen wenigen diskreten Bauteilen (siehe Abbildung 2/II).

Die Umwandlung des MIDI-Datenstrom (siehe: 2.1.2.; Software-Merkmale von MIDI) von seriell auf parallel durch den UART-Baustein vollzieht sich folgendermaßen: Beim Empfang eines Start-Bits am MIDI-Eingang wartet der Asynchronempfänger (UART, meist Motorola 6850) darauf, acht Bits in Serie zu empfangen, um diese einzeln in seinem internen Register abzulegen. Signalisiert das Stop-Bit den vollständige Transfer eines MIDI-Bytes, werden die acht Bits gleichzeitig (d.h. parallel auf acht Signalleitungen) in einem Datenbus zusammengefaßt an den Mikroprozessor weitergeleitet. Zuvor gelangen die zu übertragenden Daten in einen Zwischenspeicher (Buffer), um den zentralen Prozessor (CPU) nur anzusprechen, wenn tatsächlich MIDI-Daten vorhanden sind. Dieser Vorgang erfolgt bis zu 3000mal innerhalb einer Sekunde, geräteintern können die Datenströme mit einer Taktfrequenz von vielen Megahertz weiterverarbeitet werden. (siehe auch Abbildung 2/2). Den umgekehrten Prozeß - wie zuvor beschrieben - durchläuft ein MIDI-Byte bei der Datenausgabe durch ein parallel/serielles Interface (BRAUT, 1993: 41).

Abbildung 2/2: Das MIDI-Interface mit einem seriell/parallel Interface (UART)

2.1.2. Software-Merkmale von MIDI

Sieht man von der MIDI-Implikation in das neu entwickelte MediaLink-Protokoll in LAN-Schleifen (=Local Area Network) ab (was erhebliche Vorteile mit sich bringt, wie: bis zu 32.000 mal schneller als die herkömmliche MIDI-Schnittstelle, die Möglichkeit über extrem lange Distanzen bidirektional zu kommunizieren sowie andere Datenformate zu übertragen), so hat sich in der Hardware-Entwicklung und Hardeware-Anwendung seit der ersten Standardisierung nichts verändert. Augenscheinlich erklärt sich dies durch Gründe der Kompatibilität.

Anders im Software-Bereich: Rasch verbreiteten sich die MIDI-Schnittstellen über zahlreiche Gerätegruppen. Heute ist ein MIDI-Interface in fast allen elektronischen Instrumenten- und Gerätegattungen zu finden, die akustische Signale verarbeiten, wie Mischpulte, Effektgeräte, Synchronizer, Bandmaschinen, Harddiskrecorder etc. Wäre die MIDI-Sprache auf ihrem ursprünglichen Stand geblieben, hätte sie längst der technologische Fortschritt überrollt.

Mit dem ersten am 5. August 1983 abgeschlossenen MIDI-Dokument (MIDI Detailed Specifications Version 1.0) wurde ein Rahmenwerk geschaffen, innerhalb dessen die verschiedensten Gerätehersteller arbeiten konnten d.h. MIDI-Geräte sollten über einen Standardmodus verfügen, der es erlaubt, mit anderer MIDI-Hardware einwandfrei zusammenarbeiten zu können. Die MIDI-Autoren entwickelten eine sehr flexible Sprache, die den Anforderungen einer kontinuierlichen Weiterentwicklung gerecht war, z.B.:

1986 - Sample Dump Standard

1987 - MIDI Time Code (MTC)

- Standard MIDI-File (SMF).

1988 - Umwandlung auf: MIDI Version 4.1

1991 - General MIDI (GM), General Standard (GS)

1992 - MIDI Machine Control

Wie bereits beschrieben, ist der MIDI-Datenstrom in 10-Bit-Worten organisiert; von eigentlichem Interesse sind nur die acht Daten-Bits, die zwischen den zur Synchronisation benötigten Start- und Stop-Bits liegen. Die übermittelten MIDI-Informationen dienen dazu, das Spiel eines Musikers, Sequenzers etc. in Informationseinheiten zu übersetzen. Der Empfänger muß wissen, welche Nachricht ihm transferiert wurde. Dabei wird grundsätzlich zwischen zwei Kategorien unterschieden: Statusbytes und Datenbytes.

Statusbyte

Das Statusbyte bestimmt Befehlstyp und Adresse des Geräts, an das die nachfolgenden Datenbytes gerichtet sind, oder es definiert solche Ereignisse, bei denen keine Datenbytes folgen (ACKERMANN, 1991: 189-190). Das Statusbyte hat eine zweiteilige 4+4 Form (die beiden Hälften werden Nibble genannt). Aus vier Bits ergeben sich maximal 16 Möglichkeiten (24) der Adressierung, d.h. ebenso viele Geräte können über eine einzige Leitung getrennt softwaregesteuert angesprochen werden bzw. kommunizieren. Das "Most Significant Bit" (MSB) eines Statusbytes hat zur eindeutigen Identifikation immer den Wert 1 (siehe Abbildung 2/3).

Datenbyte

Datenbytes dienen zur Übermittlung von numerischen Werten eines Parameters (z.B. Notennummer, Anschlagstärke, Controller-Daten etc.). Das "Most Significant Bit" (MSB) eines Datenbytes hat hier immer den Wert 0. Damit bleiben sieben Bits für die Kodierung von Zahlenwerten, was einen möglichen Wertebereich von 0 bis 127 ergibt. Reicht dies nicht aus, so werden zwei Datenbytes übertragen, was den Bereich auf maximal 16384 Möglichkeiten erweitert (siehe Abbildung 2/3).

Abbildung 2/3: MIDI-Bytes

Eine MIDI-Nachricht besteht aus einem Statusbyte und 0,1 oder 2 Datenbytes. Eine besondere Möglichkeit zur Einsparung von Daten stellt der sogenannte Running-Status dar. In diesem Modus wird das Statusbyte einmalig gesendet, darauf folgen nur noch Datenbytes. Erst wenn ein MIDI-Event anderen Typs gesendet wird, folgt wieder ein Statusbyte usw. So läßt sich die Datenmenge um bis zu 30% reduzieren (GORGES/ MERCK, 1993: 178). (Beispiel für ein MIDI-Event siehe Abbildung 2/4).

Abbildung 2/4: MIDI-Event: z.B. Note On, eingestrichenes C ("Middle C" / C3), Anschlagstärke (Velocity) 19.

Neben dem zuvor exemplarisch beschriebenen "Note On"-MIDI-Befehl gibt es noch zahlreiche MIDI-Befehlstypen mit unterschiedlichsten Funktionen. Die wichtigsten davon sollen nicht unerwähnt bleiben, eine Beschreibung aller Typen würde den für diese Arbeit vorgesehenen Rahmen sprengen. Der guten Übersichtlichkeit wegen erfolgt diese Zusammenfassung im nächsten Abschnitt global in einer graphischen sowie in einer detaillierteren tabellarischen Aufstellung:

2.2. MIDI-Message Spezifikation

Die von MIDI zur Verfügung gestellte Befehlsstruktur entspricht einem Keyboard-orientierten Modell von musikalischen Informationen. In einer makroskopischen, graphischen Darstellung kann folgende Struktur an MIDI-Nachrichten konstatiert werden (Abbildung 2/5):

2.2.1 MIDI-Nachrichten: Globalübersicht

Abbildung 2/5: Übersicht der MIDI-Message Typen.

Kanalnachrichten dienen zur Steuerung eines bestimmten, einzelnen Gerätes mit einer definierten Adressierung (Channel Number). Systemnachrichten werden ohne Berücksichtigung einer Kanalnummer an das ganze MIDI-Netzwerk geschickt und von allen MIDI-Geräten empfangen (ACKERMANN, 1991: 192).

Die nachfolgende Tabelle liefert einen Gesamtüberblick der möglichen MIDI-Nachrichten. Dabei werden die einzelnen "Messages" in verschiedenen numerischen Darstellungen aufgelistet (dezimal, hexadezimal, binär). Variable Bits werden durch Buchstaben repräsentiert, die dabei möglichen Werte finden sich jeweils in der letzten Zeile des Abschnittes eines Nachrichtentyps.

2.2.2 MIDI-Nachrichten: Befehle, Typen, Werte und Bedeutungen

A. Channel Messages

Channel Voice Messages

Befehl

Hex

Binär

Daten Byte 1

Wert

Daten Byte 2

Wert

Note Off

8n

1000nnnn

Note Number

0-127

Velocity Wert

0-127

Note On

9n

1001nnnn

Note Number

0-127

Velocity Wert

0-127

Poly. Aftertouch

An

1010nnnn

Note Number

0-127

Pressure Wert

0-127

Control Change

Bn

1011nnnn

Controller

0-120

Control Wert

0-127

Progrm. Change

Cn

1100nnnn

Prog. Number

0-127

-

-

Channel Afterth.

Dn

1101nnnn

Pressure Val.

0-127

-

-

Pitch Bend

En

1110nnnn

Bend Val. LSB

0-127

Bend Wert MSB

0-127

MIDI-Kanäle: Werte für nnnn (binär) bzw. n (hex) von 0-15

Controller Messages

Dezimal

Hex

Binär

Controller Type

0

00

00000000

Programm Bank Nummer MSB

1

01

00000001

Modulation

2

02

00000010

Breath Kontrolle

4

04

00000100

Foot Controller

5

05

00000101

Portamento Zeit

6

06

00000110

Dateneingabe MSB

7

07

00000111

Channel Volume (Hauptlautstärke)

8

08

00001000

Balance (Stereo Lautstärke)

10

0A

00001010

Pan (Stereo Panorama)

11

0B

00001011

Expression Controller

12

0C

00001100

Effekt Controller 1 MSB

13

0D

00001101

Effekt Controller 2 MSB

16-19

xx

000xxxxx

Generelle Verwendung (herstellerspezifisch)

20-31

-

-

nicht definiert

32

20

00100000

Programm Bank Nummer LSB

33-63

xx

00xxxxxx

LSB-Wert für Controller 1-31

64

40

01000000

Damper Pedal (Sustain Ein/Aus)

65

41

01000001

Portamento (Ein/Aus)

66

42

01000010

Sostenuto (Ein/Aus)

67

43

01000011

Soft Pedal (Ein/Aus)

68

-

-

nicht definiert

69

45

01000101

Haltepedal 2 (Sustain 2 Ein/Aus)

70-79

-

-

nicht definiert

80-83

xx

0xxxxxxxx

Generelle Verwendung (herstellerspezifisch)

84-90

-

-

nicht definiert

91

5B

01011011

Effekt 1

92

5C

01011100

Effekt 2

93

5D

01011101

Effekt 3

94

5E

01011110

Effekt 4

95

5F

01011111

Effekt 5

96

60

01100000

Daten Increment (+)

Tabelle 2/6: MIDI-Nachrichten

Fortsetzung nächste Seite

Fortsetzung

Dezimal

Hex

Binär

Controller Type

97

61

01100001

Daten Decrement (-)

98

62

01100010

Nicht registrierte Parameter-Nummer - LSB

99

63

01100011

Nicht registrierte Parameter-Nummer - MSB

100

64

01100100

Registrierte Parameter-Nummer 1 - LSB

101

65

01100101

Registrierte Parameter-Nummer 2 - MSB

102-120

-

-

nicht definiert

121-127

xx

xxxxxxxx

Reserviert für Channel-Mode-Nachricht

xx (hex) bzw. xxxxxxxx (binär): Variable für dezimale Werte von 16-127

Channel Mode Messages

Daten Byte 1

Daten Byte 2

Controller

Beschreibung

Wert

Beschreibung

121

Reset all Controllers

0

-

122

Local Control

0

Local Off

123

All Notes Off

0

Setzt alle Noten auf 0

124

Omni Mode Off

0

Setzt alle Noten auf 0

125

Omni Mode On

0

Schaltet Poly-Modus aus

126

Mono Mode On

0

Schaltet Mono-Modus aus

127

Poly Mode On

0

-

B. System Messages

System-Exclusive Messages

 

Binär

Hex

Dezimal

System Exclusiv Status Byte

11110000

F0

240

Hersteller ID Kode

0mmmmmmm

00-7F

0-127

Ende der System Excl. Message

11110111

F7

247

mmmmmmm: herstellerspezifischer Kode von 0 bis 127

System-Common Messages

Status Byte

Daten Bytes

Binär

Hex

Dez

Beschreibung

Byte 1

Byte 2

11110001

F1

241

MTC Quarter Frame

0tttvvvv

-

11110010

F2

242

Song PositionPointer

0ccccccc

0nnnnnnn

11110011

F3

243

Song Select

0yyyyyyyy

 

11110110

F6

246

Tune Request

-

-

11110111

F7

247

EOX

-

-

ttt: Message Typ, vvvv: Wert, cccccc: Position LSB, nnnnnn Position MSB, yyyyyy: Song Nummer

System Real-Time Messages

Binär

Hex

Dezi

Beschreibung

11111000

F8

248

Zeitkode

11111001

F9

249

nicht definiert

11111010

FA

250

Start

11111011

FB

251

Continue

11111100

FC

252

Stop

11111101

FD

253

nicht definiert

11111110

FE

254

Active Sensing

11111111

FF

255

System Reset

Tabelle 2/6: MIDI-Nachrichten

Der bei weitem umfangreichste Teil der MIDI-Nachrichten ist jener der "Controller Messages", eine Untergruppe der "Channel Voice Messages". Nicht zuletzt ist dies ein Indiz dafür, daß die Hauptaufgabe von MIDI darin besteht, Steuerungsaufgaben auszuführen.

In seiner ersten Anwendung wurde der MIDI-Standard entwickelt, um einen Dialog zwischen einem "Controller" (=MIDI-Instrument) und einem Tongenerator (Sampler, Synthesizer, etc.) herzustellen. Das nächste Kapitel enthält einen Querschnitt dieses umfassenden Bereiches der MIDI-Controller und MIDI-Instrumente.

 


 

Drittes Kapitel

MIDI-Instrumente

MIDI-Controller und Tongeneratoren

3. MIDI-Instrumente

Die zahlreichen Software-Definitionen und MIDI-Messages, die im vorigen Kapitel aufgelistet wurden, bedürfen selbstredend einer entsprechenden Hardwareunterstützung, um von praktischem Nutzen zu sein; alle Geräte und Instrumente müssen dem MIDI-Standard entsprechen.

Traditionelle akustische Instrumente unterscheiden sich nicht nur in der Art und Weise der Klangerzeugung und in ihrem äußeren Erscheinungsbild von den verschiedensten elektronischen und computerisierten Instrumentengattungen: konventionelle Musikinstrumente stellen im Allgemeinen eine einzige, geschlossene physikalische Einheit dar, während MIDI-Instrumente in ihrer Konzeption (und häufig auch technisch) in zwei differierende, getrennte Komponenten unterteilt werden:

Er stellt im technischen Sinne die Mensch-Maschine-Schnittstelle dar und dient als Eingabemedium, das menschliches Handeln in - für den Tonerzeuger - verständliche "Controller Messages" transformiert bzw. einen Sequenzer als Daten-Input dienlich ist.

Der eigentliche Klangerzeuger, der ankommende binäre MIDI-Befehle in akustische Schallereignisse umwandelt bzw. akustisch verstärkbare analoge Ausgangsspannungen liefert.

3.1. Der Controller

Die verschiedensten Herstellerfirmen und Forschungsinstitute haben seit der Einführung von MIDI zahlreiche Innovationen hervorgebracht. Neben dem traditionellen Klaviertastatur-Typus haben sich für sehr viele Instrumentengattungen Eingabegeräte in mehr oder weniger traditioneller Form etablieren können. Ebenso wurden experimentelle MIDI-Umsetzer gebaut und teilweise auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht:

Die zahlreichen MIDI-Wandler, eingeteilt primär nach der Musikinstrumentensystematik von SACHS und HORNBOSTEL (1914), sowie sekundär nach formellen, praxisbezogenen Kriterien der elektronischen Klangerzeugung:

1. "Klassische" MIDI-Wandler (Entwicklung als rein elektronische MIDI-Geräte):

2. Chordophon-to-MIDI-Wandler:

Praktisch kann an jeder schwingenden Metallsaite, unter Verwendung eines handelsüblichen MIDI-Tonabnehmers, eine Frequenzdetermination vollzogen werden. "MIDI-fizierte" Instrumente aus außereuropäischen Kulturen, wie z.B. die Sitar, sind gegenwärtig keine exotische Seltenheit mehr.

3. Aerophon-to-MIDI-Wandler:

Verbreitet sind auch kombinierte Instrumente bestehend aus einem blasdruckempfindlichen Mundstück zur Artikulation bzw. Dynamisierung und einer herkömmlichen Pianotastatur, die als MIDI-Controller für Tonhöhe und Tondauer dient.

4. Membranophon-/Idiophon-to MIDI-Wandler:

Die Konvertierung von Idiophon- bzw. Membranophon-Schwingungen bedarf in der MIDI-Synthese keiner Unterscheidung, da weder die Form der physikalischen Anregung, noch der Ton- oder Klangerzeuger selbst einen Einfluß auf die Wandlung in MIDI-Daten hat. Bei der großen Instrumentengruppe mit nicht harmonischen Spektren erfolgt lediglich eine Transformation der Anschlagdynamik in Velocity-Werte (=MIDI-Anschlagdynamik: Wertebereich von 0 bis 127), bei Instrumenten mit zusammengesetzt-periodischen Schwingungsverhältnissen erfolgt (wenn technisch möglich) eine Frequenzerkennung mit entsprechender MIDI-Noten-Zuweisung.

5. Sonstige MIDI-Wandler u. experimentelle Wandler (exemplarische Aufstellung):

Dieser Gruppe an MIDI-Konvertern sind Geräte und Instrumente zugeordnet, die weder in der zuvor beschriebenen Systematik eindeutige Entsprechungen aufweisen, noch der Kategorie der "klassischen" MIDI-Instrumente zugeordnet werden können, d.h. sie genießen keine breite Akzeptanz und kommen weniger zum Einsatz.

Diese komprimierte Auflistung erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da neben der großen Anzahl an Herstellern sogenannter konventioneller MIDI-Instrumente eine breite Palette an Experimentalinstrumenten und auch Hybridinstrumenten existiert . Letztere werden allerdings nur mit wenigen Ausnahmen in höherer Auflage angefertigt.

3.2. Tongeneratoren und Klangerzeuger

Die MIDI-Synthese an sich ist eine modular aufgebaute, primäre Form der Tonerzeugung, die auf ihr untergeordnete Syntheseformen zurückgreifen muß, um ein entsprechendes Schallereignis bzw. analoge Spannungen am Ausgang zu produzieren. D.h. das eigentliche MIDI-Setup repräsentiert lediglich eine Steuereinheit ("Controller"), die ("sekundäre") Klangerzeuger bzw. Tongeneratoren kontrolliert (siehe Abbildung 3/1). Die konkrete, physikalische Erzeugung von synthetischen, elektronischen Klängen (und evtl. Geräuschen) erfolgt nach einem mehr oder weniger komplexen Verfahren. Vier Hauptkriterien sind dabei i.a. zu erfüllen (NOLL, 1994:128):

 

Bis vor wenigen Jahren war man aus technischen Gründen in der synthetischen Klangerzeugung fast ausschließlich auf die subtraktive Synthese angewiesen, um einen vernünftigen Rahmen an technischem und finanziellem Aufwand nicht zu überschreiten. Heute ist man in der Lage, theoretisch alle existierenden Syntheseformen auf digitaler Ebene zu realisieren. Die wichtigsten Syntheseformen, welche die zuvor beschriebenen Kriterien erfüllen, werden anschließend kurz umrissen:

Abbildung 3/1: MIDI-Synthese als zentrales Steuerungsorgan für sämtliche analoge und digitale, Hard- und Software Klangerzeugungssynthesen

3.2.1. Additive Synthese

Diese Verfahren wird auch "Fourier-Synthese" genannt: komplexe Schwingungen werden durch die Addition von einfachen Sinusschwingungen erzeugt, d.h. Klangspektren werden Oberton für Oberton aufgebaut. Jeder Obertongenerator (üblich 32, 64 oder 128) kann einzeln in seiner Amplitude reguliert werden, bis die gewünschte Klangfarbe erzielt ist. Naturinstrumente können analysiert und durch die Nachbildung des Teiltonspektrums resynthetisiert werden. Um diese technisch sehr aufwendige Syntheseform lebendiger zu gestalten und die stationären Anteile zu verkürzen, bedient man sich verschiedenster Nachbearbeitungsmethoden, wie separat programmierbarer Obertöne, der Kombination mehrerer Spektren, subtraktiver Nachbearbeitung, etc. Praktische Anwendung fand diese Art der Klangerzeugung lange Zeit beim Aufbau von Klangregistern in elektronischen Orgeln.

3.2.2. Subtraktive Synthese

Diese Syntheseform war lange bis zur revolutionierenden Digitaltechnik das einzige verfügbare Klangerzeugungsprinzip in Synthesizern, da es relativ einfach aus analogen spannungsgesteuerten Bausteinen realisiert werden konnte. Aus einem komplexen teiltonreichen Frequenzspektrum (z.B. Rauschen) werden durch Filterung unerwünschte Komponenten entfernt. Dieser Prozeß kann im Zeitverlauf durch Hüllkurven, Modulation und/oder andere Spielhilfen ("Controller") beeinflußt werden. Ein derartiges, modular aufgebautes Instrument besteht aus den Komponenten: Noise-Generator, Filter (VCF, DCF), Verstärker (VCA, DCA), Envelope-Generator (EG, Contour), Low Frequency Oscillator (LFO).

3.2.3. Frequenzmodulation-Synthese (FM-Synthese)

Die FM-Synthese wurde 1973 von John Chownig an der Universität Stanford (USA) entwickelt und wenig später von der japanischen Firma Yamaha patentiert. Klänge werden auf der Basis von Operatoren (Sinusoszillatoren und andere Wellenformen) erzeugt. Eine Trägerschwingung mit der gewünschten Tonhöhe (=Carrier) wird von einer anderen (=Modulator) verändert. Der Träger ist direkt mit dem Audioausgang verbunden, der Modulator ist nur in seiner Auswirkung auf den Träger hörbar. Darüber hinaus werden in der Praxis verschiedene Operatoren mit Rückkopplungsmöglichkeiten ausgestattet (bei Yamaha sogenannter "Algorithmus"). Die aktuelle Syntheseform wurde bei Yamaha in der SY-Serie in die Praxis umgesetzt: die AFM-Synthese (Advanced Frequency Modulation) erlaubt frei programmierbare Algorithmen sowie das Einbinden von gesampelten Wellenformen als Modulatoren.

3.2.4. Amplitudenmodulation-Synthese (AM-Synthese)

Diese Syntheseform wird häufig zur Erzeugung von Glockenklängen und anderen komplexen metallischen Klängen verwendet. Die Amplitude einer Trägerfrequenz wird zur Modulation verwendet. Das Verfahren gehört zu den ältesten Effekten der elektronischen Musik und ist in der Fernmeldetechnik als Ringmodulation bekannt. Das am Ausgang anliegende, als "Schwingungsmultiplikation" bezeichnete Signal setzt sich aus der Summe und der Differenz zweier Schwingungen zusammen, die beiden ursprünglichen Frequenzen werden dabei unterdrückt.

3.2.5. Phase-Distortion-Synthese (PD-Synthese)

Die Arbeitsweise der PD-Synthese ist stark an jene der FM-Synthese angelehnt. Eine Grundwellenform kann in einem "Wave-Shaper-Modul" dynamisch unter Zuhilfenahme verschiedener Parameter phasenverzerrt werden. Bei diesem Verfahren der "nonlinear distortion" (nichtlineare Verzerrung) werden sehr komplexe Spektren erzeugt. Der Klangcharakter der PD-Synthesizer ähnelt Geräten der FM-Synthese.

3.2.6. Linear Arithmetische Synthese (LA-Synthese)

Die "Linear Arithmetic Synthese" wird ausschließlich in Geräten der japanischen Firma Roland verwendet. Das Syntheseprinzip geht davon aus, daß der Mensch primär zur Erkennung des Musikinstrumententypus die Einschwingphase heranzieht, und nicht den (quasi-)stationären Klanganteil. Einschwingvorgänge (bzw. Attack-Phasen) verschiedenster Instrumente werden bei LA-Synthesizern digital gespeichert, der stationäre Anteil und die Ausklingphasen werden durch volldigitale, subtraktive Synthese realisiert. Die LA-Synthese resultiert also aus einer Kombination von PCM-Samples und subtraktiver Synthese.

3.2.7. Wavetable-Synthese

Die Wavetable- oder Wellenform-Synthese ist eine Klangerzeugung, die auf fertigen ROM-gespeicherten digitalen Wellenformen basiert, diese durch additive oder subtraktive Nachbearbeitung verändert und so neue Klangfarben erzeugt. Diese Syntheseform hat sich seit einigen Jahren sehr verbreitet und ist in der beschriebenen oder auch in einer leicht abgewandelten Form in den meisten modernen Synthesizer integriert.

3.2.8. Vektor-Synthese (VS)

Ein dreidimensionaler Vektor, der das Mischungsverhältnis zwischen vier unabhängigen Oszillatoren bzw. Tongeneratoren (XY-Funktion) über die Zeitachse (Z-Funktion) steuert, gibt dieser Art der Klangerzeugung den Namen. Erstm